Wer?

Christoph Philippen

Betriebsleiter

Woher?

Heinsberg, Deutschland

Über die Farm

  • 200 Kühe plus 200 weibl. Nachzucht
  • Milchleistung: 10.400 kg, 4,43% Fett, 3,45% Eiweiß
  • LN: 115 ha, davon 30 ha Grünland
  • Semex AI24 mit Nedap COWcontrol™

Nedap-Lösungen

Nedap CowControl
Heat Detection
Health Monitoring

Ergebnisse

BNR: 71%
vorher 56%
ZKZ: 373 Tage
vorher 384 Tage
24,3 Monate
EKA
37%
Konzeptionsrate
Güstzeit: 98 Tage
vorher 110 Tage
Rastzeit bzw. FWZ: 62 Tage
vorher 70 Tage

Der Milchviehbetrieb der Familie Philippen in Heinsberg hat im letzten Jahr in ein Brunsterkennungssystem mit integrierter Gesundheitsüberwachung investiert. Inwiefern hat sich das Fruchtbarkeitsmanagement seitdem verbessert?

Der Milchviehbetrieb Philippen in Heinsberg, südwestlich am Rande des Rurtals gelegen, hat in den letzten 13 Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen. 2005 hat Familie Philippen von damals 40 Kühen in Anbindehaltung auf 120 Kühe erweitert und einen neuen Laufstall auf der grünen Wiese errichtet, der 11 km vom alten Standort entfernt liegt. Als Sohn Christoph Philippen, jetziger Betriebsleiter, 2014 in den Betrieb einstieg, erweiterte die Familie den Stall auf aktuell 200 Kühe. Die Milchleistung der Herde beträgt zurzeit im Schnitt 10.400 kg.

Wachstum erfordert digitale Technik

Um den zunehmenden Anforderungen an das Management durch den Wachstumsschritt gerecht zu werden, hat der Betrieb im Juni 2017 in ein Brunsterkennungssystem mit integrierter Gesundheitsüberwachung investiert, um das Fruchtbarkeitsmanagement im Betrieb zu optimieren und gesundheitlichen Problemen besser vorbeugen zu können. Das System Semex ai24 mit der Nedap-Technologie ist in Form von so genannten ‚Smarttags‘, welche die Sensoren enthalten, am Halsband der Kühe befestigt und misst neben Aktivität (Bewegung und registrierung von Brunstsignalen) auch die Gesundheitsüberwachung anhand der Fress und Wiederkauaktivität. “Durch das System sparen wir seit der Einführung viel Arbeitszeit ein, da wir brünstige Kühe jetzt besser und früher erkennen als zuvor”, sagt der 28-jährige Betriebsleiter Christoph Philippen. Über die Antenne im Stall empfängt das System die Daten der einzelnen Tiere. Zweimal am Tag, jeweils morgens vor und nach dem Melken, kontrolliert Familie Philippen im System, entweder am PC oder auf dem Smartphone, welche Kühe laut Aktivitätskurve brünstig sind. Daraufhin kommt noch am Vormittag ein Besamungstechniker der RUW und besamt täglich zwei bis drei Tiere.

Betriebsleiter Christoph Philippen:

“Durch das System sparen wir seit der Einführung viel Arbeitszeit ein, da wir brünstige Kühe jetzt besser und früher erkennen als zuvor”

Eckdaten

Das System Semex ai24 ist verknüpft mit dem Herdenmanagementprogramm des Betriebes Uniform Agri. In bestimmten Zeitabständen erfolgen regelmäßige Synchronisationen. Auch für alle anderen gängigen Herdenmanagementprogramme ist das System laut Hersteller kompatibel (z. B. Herde, Dairy Plan C 21, DairyComp). Die Reichweite der Antenne im Stall reicht rundherum ca. 75 m weit. Bei der Antenne kommt es in erster Linie auf die Bauweise des Stalls, weniger auf die Anzahl der Kühe an. Auch für die Weide gibt es durch eine größere Outdoor-Antenne die Möglichkeit, das System bei Weidegang zu nutzen. Die Lebensdauer der Batterien und Smarttags beträgt laut Hersteller acht bis zehn Jahre.

 

Der Betrieb Philippen hat zuletzt 2014 den Produktionsstall um 80 Plätze erweitert und auch einen neuen Kälberstall (links) errichtet.

Brunstnutzungsrate gestiegen – Probleme schneller erkennbar

Bevor der Betrieb in das System investierte, erfolgte die Brunsterkennung visuell durch regelmäßiges Beobachten im Stall, was viel Zeit und genaues Hinsehen erforderte. “Da kam es hin und wieder vor, dass wir eine Kuh übersehen oder zu spät erkannt haben, sodass wir häufiger Anspritzen mussten”, berichtet der junge Betriebsleiter.

Durch das neue Brunstmanagement hat Familie Philippen die Brunstnutzungsrate (BNR) von 56 Prozent auf aktuell 71 Prozent steigern können. Auch die Zwischenkalbezeit (ZKZ) konnte von 384 auf 373 Tage verringert werden. Dabei beträgt die Freiwillige Wartezeit (FWZ) zurzeit 60 Tage. Jedoch überlegt der Betriebsleiter, sie in Zukunft wieder um ca. zehn Tage zu erhöhen, um die hochleistenden Kühe länger melken zu können.

Alle zwei Wochen untersucht der Hoftierarzt die Herde auf Trächtigkeit. Die Zahl an nicht tragenden Tieren ist seitdem stark zurückgegangen. Die digitale Brunsterkennung erkennt nicht tragende Kühe schneller als das bloße Auge und eine erneute Besamung kann somit frühzeitiger erfolgen. Auch wenn die Brunst eines Tieres am Tag nach der Besamung noch anhält, hat Philippen dies direkt im Blick. Dann wird ggf. direkt nachbesamt.

An Tagen nach der Klauenpflege kann es manchmal vorkommen, dass mehr Tiere im System brünstig angezeigt werden, als es tatsächlich der Fall ist, da die Herde dann aktiver ist. Selten werden bereits tragende Kühe als brünstig gekennzeichnet, jedoch zeigt die Aktivitätskurve dann nur einen kleinen Ausschlag und Philippen erkennt, dass es sich nicht um Brunstverhalten, sondern lediglich um erhöhte Aktivität handelt. “Insgesamt kommt es aber nur sehr selten vor, dass das System Tiere fälschlicherweise als brünstig erkennt”, berichtet Philippen.

Durch die gleichzeitige Gesundheitsüberwachung anhand der Fress und Wiederkauaktivität deuten sich beispielsweise Euterkrankheiten schon frühzeitig an, da dann meist die Futteraufnahme bzw. die Wiederkauaktivität abnimmt. “Kühe, die vor der Kalbung weniger fressen, zeichnen sich nach der Kalbung oft als Problemkühe aus”, weiß Philippen. “Jetzt können wir schneller reagieren. Früher haben wir solche Probleme oft erst zwei bis drei Tage später erkannt.”

Betriebsleiter Christoph Philippen:

“Jetzt können wir schneller reagieren. Früher haben wir solche Probleme oft erst zwei bis drei Tage später erkannt.”

Der außenliegende Transitstall ist mit Vorbereiter-, Abkalbe- und Frischabkalberstall in drei Funktionsbereiche unterteilt.

Die zwei Abkalbebuchten des Transitstalls sind gespiegelt und bieten genügend Platz für jeweils zwei bis drei Kühe.

Auch die Rinder tragen Smarttags

Das erste Mal erhalten die Kühe die Smarttags mit integrierter Gesundheitsüberwachung nach ihrer ersten Kalbung im Abkalbestall, der außenliegend an den Produktionsstall angegliedert ist. Von da an bleiben die Smarttags an jeder Kuh, solange sie im Betrieb ist. Der offene Transitstall mit ußenliegendem Futtertisch ist in drei Funktionsbereiche gegliedert. Links befindet sich eine Bucht für die Vorbereiter-Gruppe, in der Mitte sind zwei Abkalbebuchten untergebracht und rechts ist der Stall für die Frischabkalber. Täglich wird bei den Frischabkalbern Fieber gemessen und ein Ketosetest durchgeführt. Die Frischabkalber bleiben dort ca. zehn Tage und werden immer zum Schluss in den Melkstand getrieben.

Bei den Rindern, die am alten Standort untergebracht sind, bis sie das erste Mal kalben, gibt es eine Besamungsgruppe, welche ebenfalls mit Smarttags ausgestattet ist. Jedoch messen diese Sensoren hier nur die reine Aktivitäts- bzw. Fressdauer, ohne die zusätzliche Funktion der Gesundheitsüberwachung. Die Rinder lässt der Betrieb ebenfalls komplett besamen, einen Deckbullen gibt es nicht. Das Erstkalbealter (EKA) im Betrieb liegt durchschnittlich bei 24, 3 Monaten.

 

Der in 2014 errichtete Kälberstall ist in drei Gruppen eingeteilt: die ersten zwei Gruppen befinden sich am Tränkeautomat, die letzte ist bereits abgesetzt.

Arbeitsersparnis

Für die Investition in das Brunsterkennungssystem mit Gesundheitsüberwachung hat Familie Philippen ca. 100 Euro pro Kuh in die Hand genommen. Insgesamt hat sich bisher die Brunstnutzungsrate wesentlich erhöht und das Zwischenkalbealter bzw. die Laktationstage sind zurückgegangen. Darüber hinaus sind die Kühe zum Zeitpunkt der Besamung nicht mehr so fett wie vorher, weil die Besamung früher erfolgt. Auch das Anspritzen ist seltener erforderlich, weil die Brunst schneller erkannt wird.

Betriebsleiter Christoph Philippen:

“Wir sind mit dem Brunsterkennungssystem bislang sehr zufrieden, da es uns die Arbeit enorm erleichtert”